Leitbild vom Kind

   Leitbild vom Kind

oder: unser Verständnis von Bildung, Lernen und Spielen

 

 

Du hast das Recht

genauso geachtet zu werden

wie ein Erwachsener.

Du hast das Recht so zu sein,

wie du bist.

Du musst dich nicht verstellen

und so sein, wie es die

Erwachsenen wollen.

Du hast ein Recht

auf den heutigen Tag,

jeder Tag deines Lebens gehört dir,

keinem sonst.

Du Kind, wirst nicht erst Mensch,

du bist Mensch.

( Janusz Korczak 1878 – 1942 )

Bild vom Kind

 

In unserer pädagogischen Arbeit steht das Kind im Mittelpunkt. Wir sehen jedes Kind als eigenständige Persönlichkeit an, mit eigenen Bedürfnissen und individuellen Lebensumständen.

 

Jedes Kind hat seinen eigenen Entwicklungsstand und Rhythmus. Dies zu erkennen, aufzugreifen und zu fordern/ fördern, sehen wir als eine unserer wichtigsten Aufgaben an.

 

Unser Interesse ist es, das Kind dabei zu unterstützen, ein gesundes Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl aufzubauen. Dies bedeutet, ihnen Raum zu geben sich selbst zu entfalten. Ein neuer Entwicklungsschritt folgt auf einen abgeschlossenen Entwicklungsschritt und jedes Kind entscheidet, wann es zum nächsten Schritt (Entwicklungsfenster ) bereit ist. Daraus ergeben sich Lernthemen und Fragestellungen der Kinder.

 

Wir glauben, nur wenn die Kinder mit sich im Einklang sind, sind sie fähig und bereit, sich auf andere Kinder und Situationen einzulassen und adäquat mit ihnen umzugehen. Im Hinblick auf das weitere gemeinschaftliche Leben in der Gesellschaft empfinden wir dies als einen wichtigen Baustein fürs Leben.

 

Frühkindliche Bildung findet zunächst nicht bewusst statt. Das Kind lernt ständig und mit Begeisterung und nutzt alles was ihm seine Umwelt bietet. Ein wichtiges Merkmal unserer Arbeit liegt darin, Bildungsgelegenheiten zu erkennen, die Kinder zu unterstützen und zu begleiten.

 

Bildung geschieht immer. Man kann sich gegen Bildung nicht wehren. Räume wirken und bilden. Menschen, Beziehungen, Interaktionen und Kommunikationen wirken und bilden, bewusst oder unbewusst.

 

Lernen und Spielen sind für Kinder ein und dasselbe.

Spielen ist die dem Kind eigene Art, sich mit seiner Umwelt auseinanderzusetzen, sie zu erforschen, zu begreifen, zu „erobern“.

 

Bildung braucht Anstöße. Sie lebt im Wechselspiel von inneren und äußeren Impulsen.

 

Kinder brauchen Freude an Selbstbildung, Neugier und Lebenslust. Sie brauchen Freiräume und eine lernfreudige Atmosphäre. Wir haben uns auf den Weg gemacht, genau dieses gemeinsam mit unseren Kindern und Eltern zu gestalten.

 

Umsetzung in unserer Einrichtung:

Mit einer festen Bezugserzieherin, die das Kind vom ersten Tag an in unserer Einrichtung begleitet, fördert und unterstützt, bieten wir den Kindern eine gute Voraussetzung für den kindlichen Bildungsprozess.

 

 

Keiner lernt nur durch sich allein. Das soziale Umfeld unterstützt und prägt die Bildung und das Lernen.

 

 Krippenbereich

 

Die ungarische Ärztin Emmi Pikler (1902-1984) fragte sich vor über 70 Jahren, was ein gesundes Kind braucht, um sich gut zu entwickeln. Sie fand Antworten, die auch heute noch topaktuell sind und für unsere pädagogische Arbeit im Krippenbereich ein wichtiger Leitfaden darstellen.

Die Persönlichkeit eines Kindes kann sich am besten entfalten, wenn es sich möglichst selbstständig entwickeln darf.

Damit Kinder im Krippenbereich genügend Raum für Orientierung und Individualität

vorfinden, ist ein verlässlicher Tagesrhythmus mit ritualisierten Abläufen nötig.

 

Unsere Aufgabe ist es, dem Kleinkind Geborgenheit in einer liebevollen, sicheren und stabilen Beziehung zu bieten und seine Umgebung so zu gestalten, dass es entsprechend seinem individuellen Entwicklungsstand selbstständig aktiv werden kann.

 

 

Die vier Prinzipien der Pikler-Pädagogik:

 

·         Respekt vor der Eigeninitiative des Kindes und die Unterstützung seiner selbstständigen Tätigkeit.

·         Unterstützung einer stabilen persönlichen Beziehung des Kindes zu relativ wenigen, aber vertrauten Bezugspersonen.

·         Das Bestreben, dass sich jedes Kind angenommen und anerkannt fühlt.

·         Förderung des optimalen körperlichen Wohlbefindens und der Gesundheit des

Kindes.

 

Drei wichtige Aspekte, um dies zu erreichen:

 

1. Pflege, die als behutsame körperliche Versorgung und als Kommunikation mit dem Kind geschieht und immer darauf achtet, dass das Kind nach eigenem Wunsch beteiligt wird.

2. Bewegungsentwicklung, die das Kind aus eigenem Antrieb und im eigenen Rhythmus macht, ohne die lenkenden und beschleunigenden Eingriffe des

Erwachsenen.

3. Spiel, das frei und ungestört in einer geschützten, altersgemäß ausgestatteten Umgebung stattfindet.

Wir arbeiten im Krippenbereich nach der Methode der Emmi Pikler, da diese zum Konzept unserer Einrichtung passt.

 

Dies alles kommt in unserem alltäglichen Miteinander und den verschiedenen Bereichen in den Krippengruppen und der KiTa zum Tragen.   

 

 

"Wesentlich ist, dass das Kind möglichst viele Dinge selbst entdeckt.

Wenn wir ihm bei der Lösung aller Aufgaben behilflich sind,

berauben wir es gerade dessen, was für seine Entwicklung das Wichtigste ist.

Ein Kind, das durch selbstständige Experimente etwas erreicht,

erwirbt ein ganz andersartiges Wissen als eines,

dem die Lösung fertig geboten wird."

Emmi Pikler

 

  Die Schulkindbetreuung

 

In dieser Lebensphase sind Schulkinder stark mit den lern- und leistungsbezogenen Fragen der Schule beschäftigt. Sie haben ein zielgerichtetes Interesse, etwas Nützliches zu tun und etwas richtig zu können.

Sie haben zu vielen Lebensbereichen feste Meinungen und Vorstellungen, einen großen Wissensdurst und Mitteilungsbedarf. Wichtig ist, dass unsere Kinder selbstbewusst sind und lernen, für sich selbst zu denken und einzustehen. Deshalb darf die Schulkindbetreuung nicht auf der Basis von Vorgeben und Nachmachen arbeiten, sondern muss informieren, Lösungsstrategien aufzeigen und das Kind in seinen Gedanken und Handlungen begleiten.

Das Schulkind wird zunehmend kritischer und auch selbstkritischer. Es will sich mit allem und jedem auseinandersetzen, was seinen Alltag bestimmt. Es will sich an uns (den Erzieher/Innen, den Eltern, den Lehrern) reiben und erproben. Aktivitäten und soziale Normen von uns Erwachsenen zu erforschen und zu durchschauen ist sein Ziel. Es sucht Grenzen, um daran Halt zu finden. In dieser intensiven Phase der Orientierung will es Hintergründe erfahren, Zusammenhänge entdecken, Widersprüche feststellen und sich mit ihnen auseinandersetzen. Es will selbstständig über alle Dinge nachdenken, sich sein eigenes Bild machen, Dinge alleine erforschen und eigene Wege gehen. Es will nicht immer abhängig von den Erfahrungen Erwachsener sein.

 

Die einfache Zielformel für diese Lebensphase lautet:

Ich höre dir zu

Ich informiere dich

Ich begleite dich

Ich vertraue dir

 

 

Für uns bedeutet das:

Nicht für Kinder denken und planen, sondern mit ihnen gemeinsam den Alltag organisieren.

In ganz alltäglichen Handlungsabläufen können bedeutsame Erfahrungen gemacht und eigene Lernprozesse bewältigt werden: durch aktives Auseinandersetzen mit aktuellen Tätigkeiten alltagstauglich bzw. lebenstauglich werden. Lust und Freude im Tun ist unser Ziel. Spaß haben und erleben.

 

 

 

 „Kinder sollten mehr spielen,

als viele Kinder es heutzutage tun.

Denn wenn man genügend spielt, so lange man klein ist,

dann trägt man Schätze mit sich herum.

aus denen man später ein ganzes Leben schöpfen kann.“

 

Astrid Lindgren